Elysium

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28. Dezember 2013 von Wattong

Manchmal gibt es Trailer, da spricht einen die Optik an und bei dem Setting denkt man, das kann doch nur gut werden. So auch bei Elysium, eine Dystopie, die einem gar nicht mal so weit hergeholt vorkommt. Sozialkritisch, dreckig und bodenständig war mein erster Eindruck, aber schaut selbst:

Max DeCosta lebt auf der Erde, einem einzigen riesigen Armenviertel, und nach einigen Straftaten geht er nun einem ehrlichen Job nach und llebt auf Bewährung. Die Reichen und Mächtigen leben auf Elysium, einer Raumstation, einem wahren High-Tech Paradies, genährt durch die billigen Arbeitskräfte auf dem Planeten unter ihr. Verteidigungsministerin Delacourt hingegen hält den Präsidenten und sein Kabinett zu lasch beim Schutz der Station und plant, mittels eines Hacks des Zentralrechners sich selbst zum Präsidenten zu machen. Sie benötigt nur noch den Quellcode des Industriellen Carlyle.

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Max hingegen wird bei einem Arbeitsunfall („Wenn du es nicht machst, such ich mir jemand anderen“) tödlich verstrahlt und sieht seine einzige Rettung in der Flucht nach Elysium, da nur dort er geheilt werden kann. Seine erste Aktion ist der Datendiebstahl von seinem Ex-Chef Carlyle um seine „Fahrkarte“ zu finanzieren und etwas gesunde Rache, gerät aber so an den Quellcode. Seine zwielichtigen Kontakte erkennen den Wert des Codes und die Möglichkeit darin die Zustände wieder gerade zu rücken, lernen aber schnell das Delacourt keinen Spaß versteht. Sie verfolgt die Diebe mit allen Mitteln und greift auch auf irreguläre Commadosoldaten zurück, die von der Regierung ausser Dienst gestellt wurden. Eine wilde Flucht nach Vorne beginnt, zur Rettung der Menschheit.

elysium-jodie-foster-matt-damonIch finde, diese Zusammenfassung klingt äusserst spannend und hat an sich alles was man braucht: eine nachvollziehbare Ausgangssituation, ein bodenständiger, etwas sarkastischer Held der erst auf den Weg gebracht werden muss und etwas Sozialkritik zum Mitnehmen. Der Film fängt auch vielversprechend an, man hat viel zum Erkunden und zu sehen, an sich bis die eigentliche Handlung beginnt. Dann plötzlich verkommt es zu einer Orgie kreativer Zerstörung, bei der man deutlich merkt das in dieses Themengebiet am meisten Energie gesteckt wurde. Die Exosuits, Drohnen, explodierende Ninjasterne, Schutzschilde, Railguns (auf denen Chemrails als kleiner Seitenhieb steht) sorgen zwar für den Hauch von Authentizität, die eine durchdachte fiktive Welt eigentlich rund machen, verdrängen aber hier essentielle Dinge wie eine plausible Geschichte, tiefgründige Charakterentwicklung und vor Allem die erwartete Sozialkritik. Ich weiss es nicht ob es auch daran liegt, das die Schauspieler genauso grau (oder besser braun) und bedeutungslos letztlich bleiben, wie die Gesamtoptik vom Film.

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Es ist wirklich schade das ein Film in meinen Augen so viel Potential besitzt und verschleudert. Wirklich empfehlen möchte ich ihn nicht, bleibt lieber beim Trailer, da ist der Film noch richtig gut.

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Punktzahl von mir: 5 (für den Film) + 1 (kreative Waffen, die Bots und witzige Seitenhiebe, man beachte die Risiken und Nebenwirkungen bei den Medikamenten) – 2 (für wohl das lächerlichste und enttäuschenste Ende seit Langem) = 4/10

IMDB (28.12.2013): 6,8/10

 

 

ACHTUNG SPOILERALARM!

Normalerweise bin ich absolut kein Fan von, aber da es explizit Auswirkung auf meine Bewertung hatte hier noch meine Gedanken zum Ende, lesen auf eigene Gefahr:

 

 

 

 

 

Letztlich gehts es im Film ja um die Spaltung von wenigen Reichen und vielen Armen. Max und die Widerstandskämpfer versuchen die Lebensbedingungen der unterdrückten Leute der Erde zu verbessern, was ja auch ein heeres Ziel ist. Die Einbürgerung aller Menschen, also Abschaffung der Zwei-Klassen-Gesellschaft, ein Leben wieder vereint, ist für mich auch das Richtige Ende, doch dann hätte ich erwartet das die essentiellen Probleme, die in unserer Zeit beginnen und hier überspitzt dargestellt werden, Überbevölkerung, Krankheit, Ausbeutung etc angegangen werden bzw gezeigt wird, das es mehr als nur einen Helden braucht um die Dystopie in eine Utopie zu verwandeln. Doch leider sahen es die Macher anders. Paradies per Knopfdruck ist das Happy End. Die reichen Säcke hatten alles für eine perfekte Erde da, und zwar auch in den gigantischen Mengen. Sie waren also allesamt nur was? Schlechte Menschen? Das würde zur Charakterplattheit des Films passen, aber eben nicht zu einem Film, der der Menschheit einen Spiegel vorhalten will. Wenn (medizinischer) Wohlstand dermassen im Überfluss da ist, wäre zumindest der Einsatz, der ja völlig Anspruchlos am Ende über die Bühne geht, ein logischer Schritt um die Bevölkerung klein zu halten. Brot und Spiele. Aber so… es ist klar was gemeint war, es wird genug gehortet und man kann viel erreichen wenn das Nötige sinnvoll und fair verteilt würde. Aber im Film war es dann doch zu einfach.

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3 Kommentare zu “Elysium

  1. hijack sagt:

    Ach Danke. Ich dachte schon, es läge an mir. 😀 Ich hab ja grundsätzlich nix gegen Actionkracher ohne Tiefgang, die kommen aber normalerweise nicht unter dem Deckmantel der hiesigen Thematik daher.
    Ich fand’s jedenfalls auch arg enttäuschend und sehr lieblos aka auf die Schnelle abgehandelt.

    • Wattong sagt:

      Es ist immer gut zu lesen wenn es Anderen genauso geht. Oft befürchte ich, meine Erwartungshaltung machen den Film schlechter (oder besser) als er eigentlich ist. Ich hab noch das Ende als Kritik hinzugefügt, mal sehen was du dazu denkst 😉

      • hijack sagt:

        Das trifft ziemlich genau auch meine Gedanken dazu.

        An mir nagte nach dem Film diverse unbeantwortete Fragen „Und jetzt? Wie geht es weiter? Wie wollen die es jetzt schaffen, das alles im Gleichgewicht zu halten? Wer teilt was wem aus welchen Gründen zu? Wann machen sich Machtgeilheit und Korruption unter denen breit, die jetzt als Helden da stehen?“

        Ich hätte es besser gefunden, wenn der Film irgendwo an dem Punkt angesetzt hätte. Aber so…
        Generell ist es schade, dass viele vielversprechende Produktionen sich letztendlich doch wieder nur auf die via Technik möglichen Hollywoodeffekte verlassen. :-/

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